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06/04/2017

Präsidentschaftswahl in Frankreich

 

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Auch das ist Frankreich. Das Disneyland in der Nähe von Paris feiert am 12. April 25. Jubiläum. Foto: Andrea Warnecke,dpa

 

Präsidentschaftswahl in Frankreich

Fröhliche Apokalypse

Droht ein Ende der deutsch-französischen Freundschaft? Der Schriftsteller Manfred Flügge über Michel Onfray, Marine LePen und die Hoffnung auf eine positive Wahl-Überraschung.

von Manfred Flügge
 

Vielleicht ist ja der französische Philosoph Michel Onfray der erste Cyborg der Geistesgeschichte. Das würde nicht nur erklären, warum er in dichter Folge immer umfangreichere Essays hervorbringt und überdies in allen Medien präsent ist, dazu landesweit in Vorträgen und Debatten. Es könnte auch erklären, warum er so unerschütterlich und ohne Spur von Zögern oder Nachdenken seine fließbandmäßigen Sätze abspult, über Politik, Philosophiegeschichte oder Lebensweisheit, obwohl doch in Frankreich eine große Zeit der Unsicherheit und der Selbstzweifel ausgebrochen ist. Dass er sich weiterhin für links, ja für besonders links hält, obwohl er europakritische, souveränistische und gelegentlich auch identitäre Positionen vertritt, wäre dann vielleicht einem Programmierfehler anzulasten.

Politisch herrscht im derzeitigen Präsidentschaftswahlkampf große Verwirrung, die bisherigen Lager erodieren, die Parteistrukturen, die in Frankreich nie sehr fest gefügt waren, implodieren, auf nichts und niemanden ist mehr Verlass, und alle Kandidaten der ersten Reihe sind auf ihre Weise Neulinge. Das könnte das Vorspiel kommender Umbrüche sein oder der Beginn einer Phase gefährlicher Instabilität, die auch die deutsche Politik berühren wird.

Michel Onfray kann das nicht erschüttern. Sein neuestes Werk beschwört eine Art fröhliche Apokalypse. In aller Seelenruhe erklärt der Epikuräer aus der Normandie, dass es mit der „jüdisch-christlichen Kultur“ vorbei sei, dass wir in einer Zeit der „Dekadenz“ leben (so sein letzter Buchtitel), dass die Titanic, auf der wir dahingleiten, den Eisberg schon gerammt hat und wir uns letzten Tänzen hingeben sollen (oder der Lektüre seiner Werke), bis dem Bord-Orchester die Luft ausgeht. Wozu also Politik, Reformen, Veränderungen, wenn es nur noch darum geht, stilvoll unterzugehen?

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